St. Dionysius Munderkingen

Geschichte der Pfarrei

Weit zurück reichen die Ursprünge der heutigen Stadt Munderkingen und ihrer St. Dionysiusgemeinde. Einst berührte eine bedeutende Römerstraße das heutige Siedlungsgebiet. Zwei römische Gutshöfe waren nördlich der Stadt gelegen und von der Straße über eine Donaufurt erreichbar. Durch Ausgrabungen sind diese Siedlungen belegt. Bei Bauarbeiten in der Erblache wurde 1980 ein römisches Depot freigelegt mit zwei bronzenen Merkurstatuetten, einer Opferschale, einer Holzschatulle und einem Kerzenständer - Zeichen des religiösen Kults der römischen Soldaten und Handelsleute.

Der Name Munderkingen ist auf einen Edlen namens Munterich - wohl fränkischer Herkunft - zurückzuführen. Eine Munterichshuntare wird erstmals 792 erwähnt; im 7. oder 8. Jh. dürfte eine fränkische Militärkolonie eingerichtet worden sein. Der Hochadel der Franken war damals schon christianisiert, und deshalb bestand bald ein Bedarf an Gotteshäusern. Nach und nach missionierten die Franken auch die bäuerliche Bevölkerung. Als Hauptpfarrei für Munderkingen ist zunächst Kirchen (Kirchheim/St. Martin) anzusehen. In Munderkingen wurde oberhalb der Erblache ein Markt eingerichtet und eine (Leut-)Kirche zu Ehren des hl. Martin erbaut, während beim nahen Adelssitz eine Kirche zu Ehren des hl. Dionysius erstellt wurde. Dionysius war der Lieblingsheilige der hohen fränkischen Adligen und einer ihrer Patrone. - Über die Herren von Emerkingen kam die Martinskirche in den Besitz der Familie Zäh, Ministeriale der Grafen von Berg bzw. der Herren von Emerkingen; sie gehörten zur Sippe der Ritter von Stein und wurden Bürger von Ehingen und Eßlingen.

Für die Mitte des 13. Jh. sind städtische Verhältnisse nachweisbar; 1275 wird urkundlich ein Pfarrer erwähnt. Als Filiale von Kirchen gehörte Munderkingen zum Landkapitel Hayingen, dessen Sitz sich 1423 in Munderkingen befand. - Zwischen 1280 und 1285 kam Munderkingen in habsburgischen Besitz und teilte fortan das Schicksal mit den anderen vorderösterreichischen Donaustädten Riedlingen, Mengen, Saulgau und Waldsee. Indessen bewahrten Klöster ihre Rechte und Besitztümer, so Marchtal, Zwiefalten, Reichenau, Salem, Heiligkreuztal, Urspring und Blaubeuren. Mit wenig Einflussmöglichkeiten mussten sich die weltlichen Herren von Thämnat, Stein, Emerkingen und Burladingen begnügen.

1381 erwarb das Kloster Marchtal die beiden Pfarreien Kirchen und Munderkingen um 1050 Pfd. Heller von Salome Banzerin, Witwe des Wolf Boss aus dem Ministerialgeschlecht in Zwiefaltendorf, Lehen der Grafen von Berg und später Österreichs. Patres vom Seelsorgeorden des hl. Norbert (Prämonstratenser) übernahmen damit die pfarrlichen Aufgaben bis zur Säkularisation 1803. Interessenskonflikte zwischen der Stadt Munderkingen und Marchtal ergaben sich bisweilen. Beim Abkommen der Stadt mit dem Kloster von 1470 erhielten die Bürger einen erheblichen Einfluss bei der Stellenbesetzung. Im Pfarrhaus hängen drei Großgemälde mit Porträts von allen Pfarrern von 1387 an bis zur Gegenwart. Außer dem Namen ist noch der jeweilige Geburtsort des Pfarrers vermerkt.

Fromme Bürger stifteten im Lauf der Zeit zum eigenen Seelenheil zehn Kaplaneien, die jedoch nie alle besetzt waren. Um 1500 waren sechs Kapläne tätig, und von 1609 an waren es nie mehr als drei. Das Verzeichnis der Kaplaneien führt auf: St. Martin, St. Michael, St. Vitus, St. Leonhard, Spitalkaplanei, St. Jakob (Leprosenkaplanei), Nachmittagsprädikatur, die Frauenbergkaplanei, St. Johannes den Täufer (Frühmeßkaplanei) und die Marienkaplanei vor dem oberen Tor von 1308. Diese Namen finden sich wieder bei Kapellen und Altären in der Kirche.

Dionysius der Patron der Kirche

Märtyrer und erster Bischof von Paris. Fest am 9. Oktober. Papst Fabian sendet ihn in der Mitte des 3. Jh. mit Gefährten nach Gallien, damit er die Kirche belebe, die unter der Verfolgung arg gelitten hat. und die Kelten zu Christus führe. Unter Kaiser Valerian (253 -260) oder erst unter Herkuleus (286 -305) erleidet er selber den Märtyrertod. Die Lebensgeschichte wird durch Abt Hildwin legendär überliefert. (Bericht in der Vita Genovefae und bei Gregor von Iris.) Der Legende entsprechend habe Dionysius nach der Hinrichtung das Haupt In der Hand den Gang angetreten zu der Stelle, wo er bestattet werden wollte - ein Zeichen der Hingabe und des Nicht-Verlassenseins im Tod. Auch für andere Heilige wird dieser Gang berichtet. Zum Patron der Franken wird Dionysius durch diese Lebensbeschreibung und auch durch Verwechslung mit dem Areopagiten (Apg 17.34). Die fränkische Reichsfahne soll aus dem Leichentuch des hl. Dionysius verfertigt worden sein. Bei seinem Grab in St. Denis wurden die französischen Könige beigesetzt. - Als Patron der Kirche und Nothelfer ist er uns ein bedeutsamer Glaubenszeuge und Bote der Wahrheit, ein unerschrockener Bekenner, der keine faulen Kompromisse einging und für Christus und die anvertrauten Gläubigen das Martyrium nicht scheute.